Fragebogen Arthur Trossen

Wie sind Sie zur Mediation gekommen?
Besser ist es wohl zu sagen: Die Mediation ist zu mir gekommen. Als Familienrichter war ich ständig mit Fällen konfrontiert, die mit rein juristischen Mitteln nicht befriedigend zu lösen waren. Ich suchte nach Wegen, wie man den Parteien helfen kann, den Konflikt zu überwinden.

Was ist für Sie das Besondere an der Mediation?
Für mich ist die Mediation ein Prozess der darauf abzielt, Verstehen zu vermitteln. Das Besondere daran ist, dass es in der Mediation gelingt, den Verstehensprozess trotz aller Widersprüchlichkeiten und Widrigkeiten, denen die Parteien ausgesetzt sind, auch bei eskalierten Konflikten und dort zu ermöglichen, wo es niemand für möglich hält.

Was halten Sie für die wichtigste Eigenschaft eines Mediators?
Das Wichtigste ist die Neugier, den jeweils anderen Menschen (Medianden) wirklich verstehen zu wollen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in der Mediation?
Da gibt es viele schöne Erlebnisse. Herausragend war jedoch eine Mediation, bei der ein Ehepaar seit 4 Jahren im gemeinsamen Haus getrennt lebte und seit mehr als einem Jahr kein Wort mehr miteinander geredet hatte. Beide waren fest entschlossen zur Scheidung. Sie sahen keinen anderen Ausweg. Nach ca ¾ Stunde der ersten Mediationssitzung stellte es sich heraus, dass beide sich noch liebten. Eigentlich wollte keiner von ihnen geschieden sein. Der Fall wurde sogar im Fernsehen gezeigt. Ich erinnere mich gerne an diese Mediation, weil es in Anbetracht der gegenseitig erhobenen Vorwürfe gar nicht so einfach war herauszuhören, dass die Beiden eigentlich gar keine Trennung wollten. Das Paar ist übrigens auch heute noch zusammen. Ein schöneres Happy End kann man sich kaum vorstellen.

Was war die schwierigste Situation, die Sie in der Mediation erlebt haben?
Auch für schwierige Situationen gibt es viele Beispiele. Ich muss aber auch sagen, dass schwierige Situationen in der Mediation für mich so etwas sind wie das Salz in der Suppe. Trotzdem erinnere ich eine Mediation, bei der ich mich auch habe supervidieren lassen. Es ging um eine Familienmediation mit massiven, gegenseitigen Schuldvorwürfen. Ich habe die Mediation sogar aufstellen lassen, weil mir nicht klar war, warum die Parteien nicht zu einer Lösung fanden. Nichts hat geholfen bis ich erfuhr, dass die Mediandin die Unwahrheit gesagt hatte.

Was raten Sie jemanden, der zurzeit in der Mediationsausbildung ist und auf der Suche nach geeigneten Fällen ist?
Das kommt sehr darauf an, in welcher Situation sich dieser Jemand befindet. Fälle gibt es wie Sand am Meer. Das Problem ist die Nachfrage. Gut ist es, ein Netzwerk aufzubauen oder sich einem Netzwerk anzuschließen.

Ihr Motto als Mediator:
Des Menschen Wille ist sein Himmelreich




zurück zum Profil